Das «Schweizer Kinder- und Jugendtheater» wurde vor bald 40 Jahren von Otto Dewald, dem damaligen
Leiter des Bernhard-Theaters Zürich gegründet. 1974 übernahm Rolf Kunz die Leitung und
erweiterte den Wirkungskreis über das Bernhard-Theater hinaus auf die ganze Schweiz.
Die Grimm-Märchen hatten es ihm besonders angetan, er schrieb dazu stimmige Bühnenfassungen und
setze sie zauberhaft und fantasievoll, mit professionellen Schauspielern in Szene. Im März 2006
übergab er die Leitung der Bühne den langjährigen Ensemblemitgliedern Nicole Haas-Clerici
und Ruedi Haas.
Mit «Rapunzel», der ersten Produktion unter neuer Leitung, setzten sie die wertvolle Tradition
fort, Kind gerechte, sorgfältig produzierte Märchen in märchenhaften Dekorationen, stilvollen
Kostümen, mit eigens komponierter Musik und Profi-Schauspielern zur Aufführung zu bringen. Vor vier
Jahren gelangte «Frau Holle» sehr erfolgreich zur Aufführung, vor drei Jahren wurde
«Dornrösli», vorletztes Jahr «Hänsel und Gretel», letztes Jahr
«Schneewittli» gespielt und nun steht mit «Aschenputtel» ein weiteres,
wunderschönes Grimm-Märchen auf dem Spielplan.
Die Märchenvorstellungen bieten der ganzen Familie – vom Enkel bis zu den Grosseltern –
Gelegenheit, gemeinsam in fantasievolle Märchenwelten einzutauchen und – von den Schauspielern
ermutigt – aktiv am Geschehen auf der Bühne teilzunehmen.
Brauchen Kinder Märchen? Ja, Märchenstoffe werden so erzählt, wie Kinder denken und die Welt
erleben. Kinder brauchen Fantasiefiguren, gute und böse, die dunklen Gestalten wie Hexen, Drachen, Teufel,
gefrässige Riesen und böse Zauberer verkörpern die Schattenseiten der menschlichen Seele.
Märchen können also Kindern schon sehr früh helfen, sich auch dieser Seiten bewusst zu werden
und mit ihnen umgehen zu lernen.
Aber Märchen für Erwachsene? Es ist weitgehend in Vergessenheit geraten, dass Märchen
ursprünglich Geschichten für Erwachsene waren. Es ist nicht zuletzt das Verdienst der
Gebrüder Grimm, die im 19. Jahrhundert Märchen sammelten und erst damit die Kinder zu
eigentlichen Trägern der alten Märchentradition machten. Haben Märchenvorstellungen
uns in der heutigen Zeit überhaupt noch etwas zu bieten? Dem Live-Erlebnis einer
Märli-Aufführung stehen heutzutage modernen Medien (TV, Gameboy etc.)
gegenüber – obwohl es nur dem Theater wirklich gelingt, eine lebendige, interaktive
Brücke vom Geschehen zum Erleben der Kinder zu schlagen.
«Leben heisst Anteil nehmen an den Mitmenschen», Alfred Adlers Leitsatz gilt auch und
gerade für Theater-Vorstellungen. Bis vor wenigen Jahren gelang es mit relativ kleinem Aufwand
auch grössere Theatersäle zu füllen, die Märchenproduktionen waren selbst tragende
Unternehmen. Heute ist es leider nicht mehr möglich, ohne zusätzliche Unterstützung
Bühnen-Produktionen zu realisieren.
Das «Schweizer Kinder- und Jugendtheater» hat sich dieser Tatsache gestellt und sich
deshalb als Verein organisiert, dem auch Sie beitreten können und mithelfen, diese wichtige
kulturelle Einrichtung am Leben zu erhalten.
Mit der Ausweitung des erfolgreichen, soziokulturellen Projekts «Märchen für Alt und Jung»
bietet der Verein Schweizer Kinder- und Jugendtheater in Zusammenarbeit mit dem Altersheim Klus Park
der «alten» Generation Gelegenheit, gemeinsam mit den ganz «Jungen» aus Verwandtschaft und
dem Quartier in phantasievolle Märchenwelten einzutauchen, diese hautnah mitzuerleben, mitzugestalten und
in Erinnerungen aus Kindheitstagen zu schwelgen. Lassen Sie sich von den Kindern mitreissen, wenn sie von der
Bühne zum Mitmachen ermutigt werden …