«Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?»

Vor langer, langer Zeit war einmal eine Königin, die stach sich beim Nähen in den Finger, als sie dem Scheeflockentreiben vor ihrem Fenster zusah. Sie wünschte sich sogleich ein Kind, «so weiss wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz». Sie starb bei der Geburt.

Der König heiratet nun eine sehr schöne und von sich sehr eingenommene Frau. Ihr Zauberspiegel muss ihr täglich bestätigen, dass sie die Schönste im Lande ist, eines Tages sagt der Spiegel wahrheitsgemäss, dass Schneewittli tausendmal schöner sei als sie. Die Königin beauftragt daraufhin den Jäger, Schneewittli im Wald zu töten und als Beweis ihre Lunge und Leber mitzubringen. Der Jäger hat Mitleid mit Schneewittli und lässt sie laufen. Er bringt der Königin stattdessen Lunge und Leber eines Frischlings, die die Stiefmutter sofort verspeist.

Schneewittli irrt durch den Wald und findet endlich das Haus der sieben Zwerge, isst ein bisschen von ihren Speisen und legt sich in eins der sieben Bettchen schlafen. Sie wird von den heimkehrenden Zwergen entdeckt, aber sie darf bei ihnen bleiben, dafür führt Schneewittli den Zwergen-Haushalt.

Die böse Königin erfährt durch den Spiegel, dass die Schneewittli noch lebt und bei den Zwergen Unterschlupf gefunden hat. Sie verkleidet sich und versucht Schneewittli zuerst mit einem Gürtel, dann einem vergifteten Kamm und schliesslich mit einem vergifteten Apfel zu töten.

Schneewittli lässt sich auf die verlockenden Angebote der angeblichen Händlerin ein, obwohl die Zwerge sie gewarnt haben. Zweimal können die Zwerge sie wieder erwecken, beim dritten Mal gelingt dies nicht mehr. Die Zwerge legen sie in einen Glassarg, bei dem sie traurig Wache halten. Ein Prinz streift durch den Wald, entdeckt Schneewittli $ im Glassarg, verliebt sich sofort in sie und nimmt sie mit. Unterwegs stolpern die Sargträger und wecken die Schlafende auf.

Alle sind zur prächtigen Hochzeit eingeladen, auch die böse Stiefmutter, die ihrer gerechten Strafe nicht entgeht.

 

 

Märchen sind Träume von einer heimatlichen Welt, nach der wir uns sehnen, in die wir mit unseren eigentlichsten, innersten Werten gehören.

Novalis

 

In Märchen geschehen oft wundersame Dinge und die Geschichten entwickeln sich auf eigenartige Weisen. Handlungen und Lösungen werden aufgezeigt, die wir höchstens aus Träumen kennen. Es tut gut, wenn sich die Märchenhelden und -heldinnen nicht auf die «Realität» beschränken müssen, denn ungewöhnliche Lösungen schenken uns Hoffnung. Die Lösungswege in den Märchen sind schöpferisch, sie ermutigen uns in diesem Sinne, unsere eigenen Probleme mit viel Kreativität mutig anzugehen.

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