Eine arme Frau bekommt ein Kind und hat so starkes Verlangen nach den Rapunzeln (Grimm'sches Wörterbuch: Nüsslisalat) aus Nachbars Garten, dass sie es nicht mehr aushält. Ihr Mann muss über die Mauer klettern, um ihr vom Nüsslisalat zu besorgen. Die Besitzerin des Gartens – leider eine alte Zauberin – ertappt ihn dabei und in seiner Not muss er ihr das ungeborene Kind versprechen.
Rapunzels Eltern bleibt nichts anderes übrig, als sie unmittelbar nach der Geburt der Zauberin zu übergeben. Diese zieht das Kind nun bei sich auf. Als Rapunzel heranwächst und von den jungen Burschen beachtet wird, sperrt sie sie draussen im Wald in einen Turm mit zugemauerten Türen. Jedesmal wenn Frau Gotel Rapunzel besuchen kommt, muss sie ihre zu einem langen Zopf zusammen geflochtenen Haare aus dem Fenster herunter lassen. Daran klettert die Zauberin dann in den Turm hinauf, um ihr zu essen zu bringen.
Eines Tages reitet ein junger Prinz durch den Wald, hört Rapunzels Gesang und beobachtet wie
die alte Zauberin in den Turm hinauf gelangt. Kaum ist weg, ruft er wie sie:
«Rapunzel, Rapunzel, lass Dein Haar herunter!»
und so gelingt es ihm, in den Turm hinein zu Rapunzel zu kommen. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf
ineinader und so empfängt Rapunzel bald jeden Abend ihren Prinzen im Turm.
Dummerweise verplappert sie sich bei der Zauberin: «Sag' Sie mir doch, Frau Gotel, wie kommt es nur, Sie
wird mir viel schwerer herauf zu ziehen als der junge Königssohn?» – Gotel gerät
ausser sich vor Wut, schneidet Rapunzels Haare ab und verbannt sie in die Wüste. Dann lässt sie den
ahnungslosen Königssohn am abgeschnittenen Zopf hochklettern und wirft ihn aus dem Fenster ins Dornengebüsch,
wo er sich die Augen aussticht. Blind muss der Prinz nun durch die Welt irren, bis er schliesslich zu Rapunzel in die
Wüste kommt. Dort heilen ihre Tränen seine Augen und zusammen ziehen sie als glückliches Paar ins
Königsschloss ein.
Und wenn sie nicht gestorben sind …