«Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen»

Es war einmal, vor langer, langer Zeit … da wuchs die Tochter eines reichen Kaufmannes wohlbehütet auf.  Leider verstarb ihre Mutter sehr früh und der Vater heiratete kurz darauf eine Witwe mit zwei Töchtern. Stiefmutter und Stiefschwestern machen dem Mädchen auf alle erdenkliche Weise das Leben schwer. Weil es nicht nur niedrige Schmutzarbeiten leisten, sondern fortan auch in der Asche beim Herd schlafen muss, wird das Mädchen von allen nur noch Aschenputtel genannt.

Illustration: K. Baumann

Der Vater muss zur Messe abreisen und fragt die drei Mädchen, was er ihnen mitbringen soll. Während die Stiefschwestern einen goldbestickten Gürtel und Edelsteine haben wollen, wünscht sich Aschenputtel einen Haselzweig.

Diesen Zweig pflanzt Aschenputtel aufs Grab der Mutter. Er wächst über Nacht zu einem prächtigen Bäumchen heran. Als Aschenputtel dort betet und weint, erscheinen zwei weisse Täubchen, die es trösten und ihm seine Wünsche erfüllen.

Bald darauf findet im Königsschloss ein prachtvoller Hofball statt, zu dem alle Jungfrauen des ganzen Reiches eingeladen sind, damit der Prinz seine zukünftige Frau findet.

Die böse Stiefmutter und ihre Töchter machen sich schön gekleidet zum Ball auf und wollen unter keinen Umständen, dass Aschenputtel auch mitkommt. Statt dessen schüttet die Stiefmutter die Linsen in die Asche, die Aschenputtel herauslesen muss. Mit Hilfe der herbei gerufenen Täubchen, «Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen!», gelingt dies jedoch in kürzester Zeit. Aber Aschenputtel darf trotzdem nicht mit zum Hofball, weil es nichts anzuziehen hat.

Da eilt Aschenputtel verzweifelt ans Grab der Mutter. Wieder sind es die beiden Täubchen, die Aschenputtel zu Hilfe kommen und ein wunderschönes, mit Gold und Silber besticktes Seiden-Kleid und Schuhe hinunter werfen. Aschenputtel zieht dieses Kleid an, eilt zum Hofball und mischt sich unerkannt unter die Tanzenden.

Der Prinz verliebt sich auf der Stelle in das schöne Mädchen und möchte natürlich wissen, wer diese Unbekannte ist. Aschenputtel kann gerade noch unerkannt fliehen, verliert aber ihren goldenen Schuh auf der Schlosstreppe.

Der Prinz sucht im ganzen Reich nach der Jungfrau, der dieser zierliche Schuh passt, damit er sie heiraten kann. Er sucht auch im Haus von Aschenputtels Vater nach der unbekannten Jungfrau.

Die beiden Stiefschwestern versuchen vergeblich, ihre grossen Füsse in den zierlichen Schuh zu stecken. Auf den Rat der Stiefmutter hin schneidet sich die erste den grossen Zeh ab und die zweite die Ferse, damit der Fuss in den Schuh passt. Der Betrug wird jedoch durch die Täubchen aufgedeckt:

«Ruckedikuh, ruckedikuh, Blut ist im Schuh! Der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.»

Aschenputtel ist die Einzige, der der Schuh passt und wird schliesslich als die wahre Braut erkannt. Stiefmutter und Stiefschwestern entgehen ihrer gerechten Strafe nicht und alle sind zur Märchenhochzeit eingeladen.

Und wenn sie nicht gestorben sind … so leben sie noch heute.

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